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03
2022

Übe-Erlebnis Elmau

Mein Hintergrund als Pianist ist bescheiden bis dürftig: Als schlagzeugspielender Teenager mit Hang zum Rock-n-Roll und Classic Rock bin ich spät zu den Tasteninstrumenten (Cembalo und Klavier) und zur Klassik gekommen. Meine knappe Zeit an der Uni hat gerade dazu gereicht, dass ich mich mit Bachs Italienischem Konzert, wenn auch etwas lahm, ziemlich fehlerfrei verabschieden konnte. Nach nunmehr 30 Jahren Fokus auf Yoga-Studio und Familie und kaum Energie und Raum für “Kunst” erlebe ich gelegentlich wieder einen Schimmer der Begeisterung beim Spielen. Dann kam vor kurzem meine Reise nach Elmau …

Ende Januar war ich eine Woche lang zum Unterrichten im wunderschönen, spektakulär gelegenen Schloss Elmau untergebracht. Neben der feinen Kost, der vornehmen Bedienung und der üppigen Natur gilt auch Musik als eine der Haus-Spezialitäten. Immer wieder spielen Künstler von Weltrang dort Konzerte. Für mich aber wichtiger: In jedem der unterschiedlichen Trakten des Hotels steht ein Flügel, auf dem man als Gast auch frei spielen kann.
Im Yoga-Saal stand zugedeckt in der Ecke ein Steinway B-211. Mittags und abends habe ich die Gelegenheit genutzt, meine mitgebrachten Noten herausgeholt und versucht, mich in den Übe-Groove zu bringen. Das gelang sofort. Das überaus edle Instrument, der schöne große Saal mit Bergblick und die köstliche Freiheit vom Alltäglichen, die so eine Retreat-Woche mit sich bringt, haben mich Tag für Tag tiefer in die Praxis hinein gebracht. Jetzt, 6 Wochen später, wirkt das noch nach und beflügelt stark meine bescheidene Praxis am E-Piano zuhause.
Warum diese Geschichte in einer Yoga-Rundmail?
Seit der Corona-Krise liegt unser Institut mehr oder weniger brach. Wir hatten in den letzten Jahrzehnten viel investiert, um ein optimales Instrument für den Gruppen-Unterricht und das Üben von Iyengar-Yoga zu schaffen. Seitdem ist dieses Instrument von vielen hunderten (tausenden?) Schülern verwendet worden, um die Praxis bei uns authentisch kennenzulernen und zu verfeinern. Mit der Corona-Schließung und dann der allgemeinen Hemmung unter den Leuten bezüglich Kontakten haben wir uns daran gewöhnt, auch mit Online-Unterricht zurecht zu kommen und uns irgendwie zufriedenzugeben. Es ist ein Draht zur Yoga-Wirklichkeit für Schüler, die nicht oder nicht leicht ins Studio kommen können.
Meine Elmau-Erfahrung hat mir aber wieder die Augen geöffnet dafür, wie sehr die eigene Übungspraxis vom Ambiente und von den Schwingungen des Ortes beeinflusst werden. Ein Ort, ordentlich ausgestattet und ausschließlich für die Iyengar-Yoga-Praxis geschaffen, müsste doch für alle ernsthaft Übenden etwas sehr Wertvolles sein.
In unserer Misere der vergangenen zwei Jahre haben wir immer wieder überlegen müssen, ob wir keinen Riesenfehler machen, wenn wir das Studio nicht schließen. Monat für Monat beträchtlich viel Geld für leerstehende Räume zu überweisen, braucht ziemlich starke Nerven. Oder einen ordentlichen Knall. Wir denken meistens, dass wir das Studio über die Zeit in eine neue Phase hinüberretten können. Das ist rational begründbar, auch dank der vielen Abonnent:innen, die uns die Treue gehalten haben.
Aber Angst und Unsicherheit lauern und manchmal ist Nichts klar.
Erlebnisse wie meine in der Elmau-Woche helfen mir, wieder klar zu sehen und an unserer Vision einer Übungsstätte für unsere Gemeinschaft festzuhalten. Der Wert des Live-Erlebens in einem realen Raum mit direktem Kontakt und gemeinsamem Energiefluss ist doch leicht zu erkennen, im Vergleich zum virtuellen Unterricht per Zoom. So sehr dieser uns über die schlimmste Zeit hinweg geholfen hat, ist nun die Zeit gekommen, dass alle wieder ins Studio kommen und in Präsenz mitmachen.
Wir freuen uns darauf, dass diese Erkenntnis bei Euch auch ankommt.
Michael

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